Museen der Welt: British Museum
Das im Herzen Londons gelegene British Museum ist eines der beeindruckendsten und umfassendsten Museen der Welt, das der Geschichte, Kunst und Kultur der Menschheit gewidmet ist. Diese Institution, die nicht nur das kulturelle Erbe des Vereinigten Königreichs, sondern der gesamten Welt umfasst, folgt der Vision ihrer Gründer eines "universellen Museums" und beherbergt eine riesige Sammlung von über acht Millionen Objekten, die vom Beginn der Geschichte bis zur Gegenwart reichen. Die Geschichte des British Museum begann mit der Neugier eines Einzelnen, wurde durch die Philosophie der Aufklärung zur Zugänglichmachung von Wissen geprägt und entwickelte sich schließlich zu einem globalen Kultur-Symbol.
Der Grundstein für das British Museum wurde 1753 durch das Testamentsverächtnis des berühmten Arztes, Naturforschers und Sammlers Sir Hans Sloane gelegt. Sloane, der im Laufe seines Lebens mehr als 71.000 Artefakte, Manuskripte, Bücher und naturgeschichtliche Objekte gesammelt hatte, wollte nicht, dass diese unschätzbare Sammlung zerstreut wird, und vermachte sein Erbe der Nation gegen eine Zahlung von 20.000 Pfund Sterling. König Georg II. nahm dieses Erbe an und gründete das British Museum offiziell im selben Jahr durch ein Parlamentsgesetz. Dieses Gesetz machte das Museum zum ersten nationalen, öffentlichen Museum, das "allen gelehrten und neugierigen Personen" offenstand. Das Museum wurde ursprünglich im Montague House eingerichtet und öffnete 1759 seine Pforten für die Öffentlichkeit.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wuchs dieser Bestand, der mit Sloanes Sammlung begonnen hatte, rasch an – sowohl durch britische Entdecker und Diplomaten als auch durch Artefakte aus aller Welt im Zuge der Expansion des British Empire. Als das Montague House für die wachsende Sammlung zu klein wurde, errichtete Sir Robert Smirke 1823 an dessen Stelle ein imposantes Gebäude im neoklassizistischen Stil. Der große Eingang mit ionischen Säulen, der heute das Gesicht des Museums prägt, stammt aus dieser architektonischen Epoche. Der im Jahr 2000 eröffnete und im Zentrum des Museums gelegene Great Court, der von Sir Norman Foster entworfen wurde, ist der größte überdachte Innenhof Europas und stellt eine perfekte Harmonie des Gebäudes mit moderner Architektur dar.
Die Einzigartigkeit des British Museum liegt in der geografischen und zeitlichen Spannweite seiner Sammlung. Mit seinen rund 8 Millionen Objekten dokumentiert das Museum jede Phase der Menschheitsgeschichte. Die Ausstellungen des Museums sind in acht kuratorische Abteilungen unterteilt. Für die Besucher gleicht diese Sammlung einer Zeitreise durch die Zivilisationen der Welt.
1. Altes Ägypten und Sudan
Das British Museum besitzt die umfangreichste Sammlung altägyptischer Artefakte außerhalb von Kairo. Das berühmteste Objekt dieser Abteilung ist der Stein von Rosette aus dem Jahr 196 v. Chr. Dieser Stein, auf dem derselbe Text in drei verschiedenen Schriften – Hieroglyphen, Demotisch (ägyptische Volksschrift) und Altgriechisch – eingemeißelt ist, spielte eine Schlüsselrolle bei der Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen, die jahrhundertelang ein Rätsel geblieben waren. Die Sammlung umfasst außerdem Kolossalstatuen von Pharao Ramses II., Tempelreliefs sowie fein gearbeitete Mumien und Sarkophage aus der Ptolemäerzeit, darunter die Mumie und der Sarkophag von Hornedjitef. Natürlich konservierte prähistorische Körper wie der Gebelein-Mann bieten zudem einzigartige Einblicke in die Lebens- und Totenrituale Ägyptens.
2. Antikes Griechenland und Rom
Diese Abteilung beherbergt einige der umstrittensten, aber auch faszinierendsten Werke des Museums. Die Parthenon-Skulpturen (Elgin Marbles), die im 5. Jahrhundert v. Chr. den Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen zierten, stehen im Mittelpunkt dieser Sammlung. Diese Marmorarbeiten, die in Kunst und Geschichte als ein Höhepunkt der westlichen Zivilisation gelten, sind Gegenstand einer langjährigen Rückgabedebatte zwischen Griechenland und dem Vereinigten Königreich. Darüber hinaus werden in diesen Galerien der Bronzekopf des römischen Kaisers Augustus, die Portland-Vase – ein Meisterwerk komplexer Glaskunst aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. – und Überreste des Mausoleums von Halikarnassos, eines der seltensten Beispiele klassischer griechischer Bildhauerkunst, ausgestellt.
3. Naher Osten (Mesopotamien und Assyrien)
Die Nahost-Sammlung des Museums veranschaulicht die reiche Geschichte Mesopotamiens und insbesondere die Macht des Assyrischen Reiches. Die riesigen Geflügelten Stiere (Lamassu-Statuen) aus Dur-Sharrukin (Khorsabad), der Hauptstadt von Sargon II., dem letzten großen König von Assyrien, versetzen die Besucher geradezu Jahrtausende in die Vergangenheit zurück. Zudem zeigen die dramatischen Löwenjagd-Reliefs der assyrischen Könige aus dem Palast von Assurbanipal in Ninive die königliche Macht und das künstlerische Können jener Epoche.
4. Weitere bedeutende Sammlungen
Britannien, Europa und Prähistorie: Der Helm von Sutton Hoo, ein angelsächsischer Schatz aus dem 7. Jahrhundert, und die im 12. Jahrhundert in Norwegen hergestellten und in Schottland gefundenen Lewis-Schachfiguren gehören zu den beliebtesten Attraktionen dieser Abteilung.
Afrika, Ozeanien und Amerika: Die Basaltstatue Hoa Hakananai'a (Moai) von der Osterinsel, der realistische Messingkopf von Ife aus dem Königreich Ife in Nigeria sowie Artefakte der Azteken-, Maya- und Inka-Zivilisationen aus Mittelamerika untermauern den Anspruch des Museums auf Universalität.
Debatten und universelle Mission
Da ein Großteil der Sammlungen während der Blütezeit des British Empire erworben wurde, steht das British Museum im Zentrum anhaltender Debatten, insbesondere was Rückgabeaufforderungen betrifft. Aus den Herkunftsländern gibt es nachdrückliche Forderungen nach der Rückgabe der Parthenon-Skulpturen, des Steins von Rosette und vieler anderer Artefakte. Das Museum verteidigt seine Mission als "Universelles Museum", damit diese Werke von Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit weltweit studiert werden können; diese Debatten nehmen auch heute noch einen wichtigen Platz in der Kulturdiplomatie und Ethik ein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das British Museum nicht nur ein Gebäude ist, in dem Artefakte ausgestellt werden, sondern ein Schnittpunkt der Menschheitsgeschichte. Es bietet seinen Besuchern die Möglichkeit, Brücken zwischen verschiedenen Zivilisationen, Glaubensrichtungen und Kunstformen zu schlagen, und setzt damit seine Mission fort, stets "allen gelehrten und neugierigen Personen" offenzustehen.





